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publiziert von Mainpost: 27.10.2013 16:38 Uhr

HAFENPREPPACH
Existenzgründer: Aus dem Stand auf Erfolgskurs

Die Firma Stehimpuls fertigt seit 13 Jahren spezielle Arbeitsplatzmatten

Den ganzen Tag im Stehen arbeiten, das kann üble Folgen für die Gesundheit haben. Simon Hafenecker und Jürgen Korn haben das erkannt. In Hafenpreppach fertigen sie seit 13 Jahren Arbeitsplatzmatten.

Der Landkreis Haßberge und seit kurzem auch die Gemeindeallianz Hofheimer Land unterstützen Neu-Unternehmer beim Start in die Selbstständigkeit. Arbeitsplätze zu schaffen und dadurch Abwanderung zu vermeiden, ist ein wichtiges Ziel. Dass sich am Standort Haßberge erfolgreich ein Unternehmen aufbauen lässt, dafür gibt es einige Beispiele: Kleinere Firmen mit nationalem und internationalem Aktionsradius, in der Öffentlichkeit vielleicht nicht so bekannt, aber sehr erfolgreich in ihrem Marktsegment.

Ein solches Beispiel, noch dazu aus dem als strukturschwach geltenden Nordosten des Landkreises, ist die Firma „Stehimpuls“ in Hafenpreppach. Das Unternehmen stellt hauptsächlich sogenannte Arbeitsplatzmatten und Holzlaufroste her. Die wichtigsten Abnehmer sind die Automobilindustrie und deren Zulieferer: BMW, Daimler, Opel, Ford, ZF und Schaeffler beispielsweise. Für den Flughafen München, die Montagehallen des Airbus' oder die Versuchsanstalt der Uni Stuttgart hat die Firma ebenfalls Matten geliefert. Im Kundenstamm sind neben Deutschland, Skandinavien und Österreich einige weitere europäische Länder vertreten, es kamen aber auch schon Bestellungen aus Japan, Mexiko und Tunesien.

Der Entschluss, sich selbstständig zu machen, das war für Simon Hafenecker und Jürgen Korn die bislang größte Herausforderung. Seit der Firmengründung im Jahr 2000 habe der Weg „konstant bergauf geführt“, sagt Hafenecker. „Wir sind gesund gewachsen“, ergänzt sein Mitstreiter.

 

Kernpunkt der Geschäftsidee ist das Thema „gesundes Stehen am Arbeitsplatz“. Wie wichtig das ist, wissen die beiden Geschäftsführer aus eigener Erfahrung, wie Simon Hafenecker betont. Schließlich hätten sie als gelernte Modell- und Formenbauer jahrelang selbst an der Werkbank gestanden. Sie waren und sind „absolut überzeugt, dass das Produkt eine sehr große Zukunft hat“, sagt Hafenecker. Zumal es immer mehr Steh-Arbeitsplätze und eben auch immer mehr Probleme durch langes Stehen gebe.

 

Zweistelliges Wachstum

Der Erfolg bestätigt diese Überzeugung: Prozentual stieg die Produktion jährlich zweistellig an, ausgenommen 2009. In Sachen Personal ist der Betrieb ebenfalls gewachsen. Nachdem die beiden Firmengründer anfangs nur zu zweit waren, beschäftigen sie heute sechs Mitarbeiter in Vollzeit und fünf Aushilfen auf 450-Euro-Basis. Vier der Mitarbeiter haben schon ihre Lehre bei Stehimpuls absolviert und wurden danach übernommen. Die Firma bildet Fachlageristen und Kaufmänner für Bürokommunikation aus.

 

Ihre Marktposition beschreiben Hafenecker und Korn als gut bis sehr gut, sehen sich im vorderen Drittel. Ein Grund dafür aus ihrer Sicht: „Wir sind relativ klein“, sagt Simon Hafenecker, „das bedeutet kurze Wege, und wir können schnell in Entscheidungen sein.“ Jürgen Korn verweist außerdem auf die Kenntnisse und Fertigkeiten aus der handwerklichen Ausbildung, die ihnen nun zugutekommen, beim Umwandeln von zweidimensionalen Zeichnungen in dreidimensionale Werkstücke etwa, oder beim Verlegen größerer Mattenflächen vor Ort.

Ebenfalls eine Rolle spielt für Simon Hafenecker der Umstand, „dass wir beide uns gut verstehen. Wir haben manchmal auch unsere Konflikte, aber wir gehen sauber damit um.“ Die Firmengründer kennen sich seit der Realschule, haben beide ihren Meister im Bereich Kunststoff und Kautschuk gemacht und zuletzt im gleichen Betrieb gearbeitet. Dort kamen sie bereits mit dem Thema „gesundes Stehen am Arbeitsplatz“ in Berührung. „Dieses Thema hat uns so interessiert, dass wir die Idee und den Mut gefasst haben, uns selbstständig zu machen“, erzählt Simon Hafenecker.

Das ausführliche Gründungskonzept – es umfasste 60 bis 70 Seiten – haben er und Jürgen Korn selbst erstellt. Ihre Strategie, um in den Markt hineinzukommen, stellten die beiden auf zwei Säulen: die Internetpräsenz und das aktive Zugehen auf Endkunden durch geschulte Mitarbeiter. „Auf jeden Fall haben wir von unserer früheren Firma keine Kunden mitgenommen“, betont Simon Hafenecker, „wir haben bei Null angefangen“. Die Produkte wurden zunächst nur direkt vertrieben, inzwischen ist eine zweite Schiene über Wiederverkäufer dazugekommen.

 

Innovationen

Zum Erfolg am Markt gehören auch Innovationen. Simon Hafenecker und Jürgen Korn sind immer wieder dabei, ihre Produkte zu verbessern und die Palette zu erweitern. So waren sie nach eigenen Angaben die ersten, die nicht nur an Steh-Arbeitsplätze gedacht, sondern auch die etwas anderen Anforderungen bei ständigen Drehbewegungen und beim Gehen in den Blick genommen und entsprechend unterschiedliche Arbeitsplatzmatten entwickelt haben.

Bleibt noch, ein Kapitel aus der Gründungsphase nachzutragen. Die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten beschreibt Jürgen Korn als „etwas abenteuerlich“. Im halben Landkreis seien sie unterwegs gewesen, um fünf bis sechs Objekte anzuschauen. Das ehemalige Raiffeisenlager in Hafenpreppach markierte schließlich das Ende der Suche. Die beiden Firmengründer haben es zunächst gemietet und später gekauft, wobei die Bank hier nach wie vor eine Geschäftsstelle unterhält. „Eigentlich sind wir jetzt Bankbesitzer“, sagt Korn schmunzelnd.